UEBER-REALITAET

Construction profiles
Dimension variable
Curation: Marta Kwiatkowski
Kunsthalle Bern, Brünnengut, Effinger Co-Working Space, Bern
Dez. 16 - Jan. 10

Supported by
Stiftung B
Kunstachse Bern
westfenster


Bern, Oktober 2017

ÜberRealität - Ein Kunstprojekt in Bern thematisiert die Digitalisierung des öffentlichen Raums

Wir sind immer mehr online, auch wenn wir mobil unterwegs sind. Ausgerüstet mit unseren Smartphones, die längst zur Verbesserung unserer menschlichen Fähigkeiten beitragen umgeben wir uns mit hyper-individualisierten Informationen, unseren persönlichen Daten – quasi unserem digitalen Gehirn – und stehen dabei permanent mir unserem sozialen Netzwerk in Verbindung. Die „Cloud“ ist also immer dabei. Doch was macht diese „Ubiquität“, also räumlich-zeitliche sowie materielle Ausweitung des Raums und die Möglichkeit, zu jeder Zeit beziehungsweise simultan an allen Orten präsent zu sein, mit uns? Wir werden immer unabhängiger von der physisch-materiellen Existenz von Objekten. Die Digitalisierung lässt unsere privaten Räume unwahrnehmbar mit den öffentlichen verschmelzen. Dabei werden sämtliche Lebensbereiche tangiert und es verändert sich die Art und Weise wie wir uns Verhalten und welche Normen wir im öffentlichen Raum gelten lassen und selbst zur Geltung bringen. Orte und Räume nehmen damit durch die allgegenwärtige Konvergenz zwischen analoger und digitaler Welt eine neue Bedeutung ein.

Unter dem Titel ÜberRealität realisiert das Westfenster ein Projekt, das sich mit der Digitalisierung des öffentlichen Raums auseinandersetzt. Das Projekt will zur öffentlichen Diskussion anregen und Fragen wie die folgenden stellen:

— Werden wir alle zu Individualisten mit eigenen Realitäten?

— Wie wollen wir mit diesen unterschiedlichen Optionen und Gestaltungsmöglichkeiten als Gesellschaft umgehen?

— Welche Normen und Werte gelten noch zwischen analoger Lokalität und digitaler Globalität?

Umgesetzt wird ÜberRealität, das von Marta Kwiatkowski kuratiert wird, vom Künstlerkollektiv Wittmer&Koenig. Unter dem im digitalen Business bereits weit verbreiteten Begriff der Disruption, realisieren Wittmer&Koenig eine gleichnamige Reihe von Installationen im öffentlichen Raum. Wittmer&Koenig sind bekannt für ihre Installationen aus Bauprofilen. Bezeichnenderweise deuten Bauprofile, die ein in der Schweiz breit verankertes Konzept bei Bauvorhaben sind, einen physisch nicht vorhanden Raum an. Sie richten das Auge des Betrachters auf seine individuelle Assoziation und Befindlichkeit mit der dargestellten Raumsituation.

Bereits die Verwendung dieses demokratiestiftenden Objekts schafft unterschiedliche Zugänge. Einerseits erinnert es an den typisch schweizerischen Prozess der direkten Demokratie, wobei das Volk Einblick in die baulichen Visionen erhält und ihre Meinung gefordert wird. Andererseits veranschaulicht es Räumlichkeit und städtebauliche Vorstellungen.

Durch Bauprofile entsteht eine Transzendenzsituation, die ein Stadium zwischen Gegenwart und Zukunft zeichnet. Dennoch bleibt die Deutungshoheit über die gebaute Zukunft unter Verwendung der Bauprofile beim Baumherrn. Unter zunehmender Anwendung virtueller Realitäten verschiebt sich diese Deutungshoheit immer mehr zum Betrachter. Die gebaute Umwelt erscheint als Fassade.

Vom 16. November bis am 29. Dezember 2017 sind die Installationen an drei Standorten entlang der Westachse der Tramline 8 in Bern sichtbar: Schulhaus Brünnen im Brünnenpark, Co-Working Effinger an der Effingerstrasse und auf der Kunsthalle Bern. Die Vernissage findet am 16. November 2017 um 17.30 Uhr beim Schulhaus Brünnen und um 18.30 Uhr bei der Kunsthalle statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das längerfristig angelegte Projekt „Westfenster“ möchte mit Kunst im öffentlichen Raum zur Diskussion in einer sich wandelnden Gesellschaft beitragen. Die Bevölkerung soll dazu angeregt werden sich aktiv mit den Veränderungen auseinanderzusetzen und so auch einen Beitrag zur Gestaltung der Zukunft beitragen. Das Westfenster ist ein Projekt der Kunstachse und wird unterstützt von der Stiftung B.

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