About: Magna Res Separatio

The path to the exhibition is barred. At least one side of the room at the Alte Fabrik in Rapperswil is not easily accessible. The young artist duo Wittmer&Koenig constructed a barrier made of construction profiles. You can see through, but the closely beaded metal rods build an insurmountable border. This is how refugees stranding at Europes rims might feel while confronted with the visible and invisible walls.

Christina Genova (freelancer at St.Galler Tagblatt and journalist for Ostschweizer Kulturmagazin Saiten) about Magna Res Separatio in her Review over the Grosse Regionale.

Der Weg in die Ausstellung ist versperrt. Zumindest von einer Seite ist der Raum in der Alten Fabrik Rapperswil nicht zugänglich. Das junge Künstlerduo Wittmer&Koenig hat eine Abschrankung aus Bauvisieren errichtet. Man sieht zwar hindurch, doch die eng aneinander aufgereihten Metallstangen bilden eine unüberwindbare Grenze. So mag es auch den Flüchtlingen ergehen, die an den Rändern Europas stranden und mit sichtbaren und unsichtbaren Mauern konfrontiert sind. Das Schicksal der Flüchtlinge und die Krisen dieser Welt beschäftigen mehrere Künstler, welche an der «Grossen Regionalen» in Rapperswil ausstellen. Jan Sebesta malt provisorische Behausungen in harmlosen Pastelltönen, Joelle Menzi hat ihr «Mobile Instant Chalet», das nichts anderes ist als ein Zelt, mit Ornamenten bedruckt. Darin verbindet sie geschnitzte Motive von Schweizer Chalets mit Dekorationen aus Kairo und Damaskus.

Christina Genova (Freie Mitarbeiterin beim St. Galler Tagblatt und Journalistin beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten) über die Grosse Regionale im Kunst(zeug)haus und der Alten Fabrik in Rapperswil.

Ausschnitt aus Die Katze hat es gefressen, St. Galler Tagblatt, 30.11.2016


About: Magna Res Separatio

The building-material of the two young artists, Attila Maria Wittmer and Florian Paul Koenig, short Wittmer&Koenig (*1990, live and work in Zurich and Lucerne) shows preferably the construction profile (dt. Bauvisier). Through their former initial training, both were familiar with the construction profile which is used to mark the planned structures. Internationally it is a little to unknown object. It underlines the democratic processes that are so typical for Switzerland. Simultaneously they are fascinated by the invisibly drawn lines and the modular volume signalled by the construction profiles. However other important subjects are evoked by the placement of this object in the exhibition context such as the emphasis of the inside vs. the outside, the private vs. the public.

Alexandra Blättler (Curator at Alte Fabrik in Rapperswil, Coal-Mine in Winterthur and Co-Founder of the Klöntal Triennale)


Das Bau-Material der beiden jüngsten Künstler, Attila Maria Wittmer und Florian Paul Koenig, kurz Wittmer&Koenig (*1990, leben und arbeiten in Zürich und Luzern, Bezug AR) stellt vorzugshalber das Bauvisier dar. Durch frühere Erst-Ausbildungen kannten beide das Metallgestell, welches verwendet wird, um geplante Bauten anzuzeichnen. Das Bauvisier ist ein im Ausland wenig oder gar nicht bekanntes Objekt, welches den demokratischen Prozess unterstreicht, der für die Schweiz so typisch ist. Gleichzeitig fasziniert die beiden der Aspekt der unsichtbar gezeichneten Linie und des modularen Volumens, welches sich durch die Bauvisiere signalisieren lässt. Jedoch spielen gerade in der Setzung der Visiere im Ausstellungskontext auch weitere Themen eine wichtige Rolle, wie z.B. die Betonung des Innen und Aussen, des Privaten und Öffentlichen.

AB: Gibt es in Ihrer Arbeit ein wiederkehrendes Thema?
W&K: Aktuelle, brisante Themen. Wie hiesig die Abschottungspolitik und Flüchtlingskrise.

AB: Welches ist Ihre Lieblingsfarbe?
W&K: PANTONE Orange 021 C

AB: Wie entstehen Ihre Arbeiten?
W&K: Unsere Arbeiten entstehen direkt vor Ort in gemeinsamer Diskussion. Die hier gezeigte Arbeite Magna Res Separatio beispielsweise entstand bei einer Ortsbegehung im September. Dabei entdeckten wir vor dem Schloss Rapperswil die Säule zum Gedenken an die polnischen Flüchtlinge aus dem 19. Jahrhundert. Diese fanden in Rapperswil Zuflucht und Hilfe. Die Situation in Polen ist heute wieder eine brisante. Mit der aktuellen Macht der Prawo i Sprawiedliwosc (PiS; dt. Recht und Gerechtigkeit), einer national-konservativen Partei isoliert sich das Land zunehmend.

Alexandra Blätter (Kuratorin der Alten Fabrik, Rapperswil und der Coalmine, Winterthur und der Klöntal Triennale) über Magna Res Separatio.

Zur Ausstellung: Grosse Regionale, Kunst(Zeug)Haus und Alte Fabrik, Rapperswil


About: Extras of Economy

The building material of the artist-duo Wittmer&Koenig consists of batter boards. Especially in Switzerland the batter boards serve to show the dimensions of the expected construction site so that the affected area can be made visible. Even though they are part of the Swiss landscape, they are often barely noticed. The artists call their work for the university campus “Economies Supernumeraries”. The batter boards stand on the pedestals of the recess patio occupying the seating accommodation of the brutalist building.

Wittmer&Koenig are interested in the complexity resulting from the batter boards being used as pieces of art. Batter boards are supposed to be invisible and at the same time they hold something prospective, not yet visible. In the form of artwork they are placed on pedestals thus transformed in their use, mis(placed) onto the existing architectural elements. They become visible as objects and at the same time they become disruptive factors in the students everyday routines.

The focus is directed towards the shape of the batter boards, their endeavour towards the sky, their flexibility and simultaneous stability. Loosened they appear like modern sculptures, that remind of economic elements used in tables and graphics. These economies supernumeraries ask us subtly about which role we take in the economy and who influences its processes. Simultaneously the building boards, following their actual function, remind of the continuous changing societal space and coquet with the ongoing debates around the upcoming campus extension.

Arbeitsmaterial des Künstlerduos Wittmer&Koenig ist das Bauvisier bzw. das Baugespann. Vor allem in der Schweiz ist es dazu da, die Masse von Bauvorhaben anzuzeigen, sodass für die betroffene Umgebung die Dimensionen des zu erwartenden Baus sichtbar werden. Sie sind Teil der schweizerischen Landschaft, werden aber von Passanten oftmals kaum wahrgenommen. „Statisten der Wirtschaft“ nennen die beiden Künstler ihre Arbeit für den Universitätscampus. Die Visiere stehen auf Sockeln der Pausenterrasse und besetzen damit die gewöhnlichen Sitzgelegenheiten des brutalistischen Baus.

Wittmer&Koenig interessieren sich für die Komplexität der Visiere in ihrer Anwendung als Kunstwerke. Bauvisiere sollen zum einen zwar unsichtbar sein, aber dennoch etwas Zukünftiges, also noch-nicht-Sichtbares, anzeigen. Im Modus des Kunstwerks und auf „Sockel“ gestellt, also in ihrer Nutzung transformiert, (de-)platzieren sich die Visiere nun auf den vorhandenen Architekturelementen. Sie werden als Objekte sichtbar und gleichzeitig zu Störfaktoren in den täglichen Abläufen der Studierenden. Der Fokus wird auf die Form der Visiere gelenkt, ihr Streben gen Himmel, ihre Flexibilität und gleichzeitige Standfestigkeit. Aufgelockert gleichen sie modernen Skulpturen, die an Elemente aus wirtschaftlichen Tabellen und Grafiken erinnern. Die Statisten der Wirtschaft stellen uns auf subtile Weise die Frage, welche Rolle wir in der Wirtschaft einnehmen, und wer ihre Prozesse beeinflusst. Gleichzeitig erinnern die Bauvisiere in Anlehnung an ihre eigentliche Funktion auch an den sich stetig verändernden gesellschaftlichen Raum und kokettieren mit den Debatten rund um die anstehende Campus-Erweiterung.

Christina Lehnert (Kuratorin bei *KURATOR) über Statisten der Wirtschaft.

Zur Ausstellung: intervention 16, HSG, St. Gallen


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