SALLE MOBILE

Installation
Aluminum, Wood, Lawn, Digital Print on Aluminum Plate
Installation View at Werkschau 2016, Lucerne
2016

Documentation of SALLE MOBILE

Makes Culture Lucerne Visible? For a Constructive Discussion

April 30, 2016 - Wenn konstruktiv diskutiert wird, kann auch wirklich etwas entstehen


Wir waren heute auf dem Inseli und veranstalteten die Salle Matinee. Dabei sind wir mit vielen interessanten Menschen in Kontakt gekommen und konnten unaufgeregt diskutieren. Was uns geblieben ist, liest du hier. Auch Christof Engelhorn war, in Form gedruckter Worte, mit von der Partie.

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Architektur – Sich ein Bild von der Salle Modulable machen können

Momentan haben wir keine Ahnung, wie die Salle Modulable wohl anschauen würde. Dafür braucht es zuerst einen Architekturwettbewerb, denn die Illustration der ARUP zeigt lediglich das nötige Volumen des Gebäudes. Über die Hülle des Theaters kann also nur spekuliert werden, weshalb wir uns doch die Chance geben sollten, die Katze aus dem Sack zu nehmen. Dafür braucht es den Projektierungskredit, worüber die Luzernerinnen und Luzerner im November abstimmen werden. Mit einem Ja wird noch kein Gebäude gebaut, aber die Möglichkeit gegeben weiter zu denken. Wir glauben, dass nach einer Ablehnung nach dem Architekturwettbewerb und der Erkenntnis, dass Luzern die Salle wirklich will, sie aber aus triftigen Gründen nicht auf dem Inseli realisierbar ist, wird der Trust womöglich beweglicher als wir denken. Dies gäbe, nach einer unaufgeregten Diskussion, die Möglichkeit wieder an neuen Standorten zu planen…

2019 wird sich das Inseli verändern

Die Verträge der zwei Sommerbars laufen 2019 aus und müssen neu aufgesetzt werden. Ob diese allerdings bleiben können ist nicht sicher. Käme beispielsweise eine neue Bachmann Filiale an die Stelle der Buvette, würde sich die Atmosphäre enorm verändern. Dies verändert die Diskussion über den Erhalt des Inselis massgebend. Heute fordern viele Junge den Erhalt des Inselis, so wie es heute ist, doch liegt darin nicht eine konservative Haltung? Das Inseli ist in einem steten Wandel, der nicht aufzuhalten ist und werden sollte. Würde also mit innovativen Lösungen nach neuen Formen der Benützung gesucht werden, wie beispielsweise eine offene Bühne, würde sich das Volk auf dem Inseli sehr wohl versammeln. Ein negatives Beispiel einer solchen Bühne ist der Pavillon auf der anderen Seite des Seebeckens, dessen Potential leider nicht ausgeschöpft wird.

Ein philosophisches Konstrukt

In den Medien wird die Salle Modulable vorwiegend technisch diskutiert, heute auf der Wiese allerdings konnte über die Philosophie der Vision diskutiert werden. Dabei ist die Thematik von Publikum und Bühne ins Zentrum gerückt. Diese Distanz soll aufgelöst werden. Im Raum soll Zuschauer und Schauspieler zu einem werden. Die Grenzen werden fliessend. Neue Formen der Partizipation sind nötig, wenn der Künstler vom Schöpfer zu einer Muse des Zuschauenden wird. Die Rollen der beiden Akteure sind nicht mehr klar definierbar. So kann ein frischer Wind aufkommen und wirklich Neuartiges entstehen. Dabei werden die Schauspieler vielmehr zu Bildhauern als zu Darstellern von etwas. Der ganze Körper wird so von 360 Grad bespielt, betrachtet und gelebt.

Die Vision der Salle Miserable

Zum Abschluss des Events kam wieder die Finanzierung und die bedingte Schenkung ins Spiel. Wieso sollten wir ein Geschenk von 80 Millionen Franken verwerfen, nur weil uns der Standort nicht passt? Dass aber gleichzeitig weit mehr Geld ausgegeben werden muss und die Fixkosten für die Infrastruktur sich erhöhen, gehe gerne hinter dem lockenden Präsent vergessen. Dass ein neuer, einzigartiger Bau mehr kostet ist klar. Es stellt sich die Frage: Sind wir aber zu blind vor Euphorie, müssen wir uns bald mit einem hamburgischen Ungeheuer abmühen?

Ein neuer, innovativer Kulturkompromiss

Die Zeit ist reif, für einen neuen Kulturkompromiss. Wie dieser aussehen könnte wurde ebenfalls heute Nachmittag diskutiert. Daher finden wir es wichtig, dass mit den aktuellen Zwischennutzungen in Diskurs getreten wird, um Lösungsansätze zu finden. Wir bleiben auf jeden Fall am Ball, denn wir glauben dieser würde sich wieder fördernd auf die ganze Luzerner Kultur auswirken.

Salle Mobile wurde als Planungsbox für die Salle Modulable gehalten

Interessanterweise dachten einige Passanten, dass die Aussteckung der Salle Mobile das Baugespann für eine Planungsbox der Salle Modulable sei. Diese Verwechslung war spannend, da die Bauvisiere ihre volle Wirkung entfalteten. Dabei verstärkte sich die Idee, eine offene Bühne bereits diesen Sommer auf dem Inseli zu realisieren, dem Platz eine grössere Aufmerksamkeit zu geben und die aktive Diskussion zu fördern. Salle Mobile wird nun mit den Verantwortlichen mit der Stadt in Verbindung setzen.

Vielen Dank an die konstruktive Luzerner Polizei, die unsere künstlerische Intervention gewährte. Wir freuen uns auf weitere spannende Auseinandersetzungen.


Vision (de)

Die Salle Mobile setzt die Kunst ins Zentrum der Auseinandersetzung. Pierre Boulez hatte die Vision der Salle Modulable bereits in den 1960-er Jahren. Dabei verlangte er nach einer Revolution des Guckkastentheaters. Beim heutigen Projekt der Salle Modulable in Luzern wird momentan lediglich über Standort und Finanzierung diskutiert. Wir als Künstler interessieren uns für die Möglichkeiten der Kunst. Eine zentrale Frage unserer Auseinandersetzung ist: Was ist die Vision der Kunst und wie verändert sie sich durch die Salle Modulable?

Durch unkonventionelle Ideen und Ansätze versuchen wir eine unaufgeregte Diskussion anzukurbeln. Wir finden, die Salle Modulable ist schon jetzt ein Erfolg für die Luzerner Kulturszene. Sie versetzt alle Akteure in Bewegung, sie hat es geschafft, frischen Wind in die Bevölkerung zu bringen. Kultur bewegt Luzern. So wollen auch wir einen Beitrag zur Beweglichkeit von Luzern leisten.

Wie schon Paul Klee sagte, gibt die Kunst nichts Sichtbares wieder, sondern macht sichtbar. In diesem Sinne vertrauen wir in die Kunst und versuchen die Diskussion umzumünzen. Kunst findet zu einem grossen Teil im Kopf statt, so auch die Salle Mobile. Diese braucht kein Gebäude wie die Salle Modulable, vielmehr die aktive Auseinandersetzung der Luzerner Bevölkerung. Dazu ein schönes Zitat von Karl Valentin, welches sich letztes Jahr auch der Südpol auf den Programmdeckel schrieb: Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit! Wir bleiben am Ball.

Art Interventions

Guest Lecture, Lucerne University of Applied Arts, April 15
Salon Mobile, April 29
Salle Matinée, April 30
Guest Artist, o.T. Raum für aktuelle Kunst, Anastasia Katsidis & Alexandra D'Incau, May 30
Salon Modul, June 9
Werkschau 2016, June 24

Discussion Partners

Christina Frey, April 22
 Sculptor, Lecturer Lucerne University of Applied Arts
David Roth, May 9
 President of SP Lucerne
Peter Fischer, May 12
 former Director of Art Museum Lucerne and Zentrum Paul Klee, Bern
Michael Sutter, May 13
 Director of Kunsthalle Luzern
Urs Bugmann, May 18
 Member of Board IG Kultur Lucerne
Anton Egloff, May 20
 Artist 
Jean-Paul Anderhub, May 23
 former Director of Lucerne Theater
Christoph Fellmann, May 25
 Journalist, Theater Critic Tages-Anzeiger, Zurich
Urban Mäder, May 25
 Composer
Christoph Blum, May 26
 Composer
Benedikt von Peter, May 27
 Director of Lucerne Theater
Luciano Dieci, May 27
 Architect
Jonathan Banz, May 31
 Architect
Michael Haefliger, June 9
 Director Lucerne Festival
Patrick Müller, unknown
 Director Südpol Lucerne
Blond & Gilles, unknown
 Artist Duo
Annette Windlin, unkown
 Art Director, Dramatic Advisor, Member of Board A.C.T. 


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